Hintergrundinformation zur Fusion der evangelischen Kirchengemeinden Johannes, Paulus und Paul-Gerhardt im Stuttgarter Westen

1. Hintergründe der Fusion

Gemeinsame Geschichte

Die drei Gemeinden im Stuttgarter Westen sind wie Verwandte, wie Großmutter, Mutter und Tochter. Die Johannesgemeinde, die 1873 als Parochie entstanden ist und im Jahre 1889 zur Kirchengemeinde wurde, brachte im Jahre 1892 die Paulusgemeinde hervor. Aus dieser entstand 1926 die Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Heute gehören zur Johannesgemeinde 2847, zur Paulusgemeinde 3766 und zur Paul-Gerhardt-Gemeinde 2194 Gemeindeglieder (Stand 31.12.2016).

 

Langjährige Kooperation

Seit Jahren kooperieren die drei Gemeinden in den Bereichen Konfirmandenarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, es gibt eine gemeinsame Sommerpredigt-Reihe, zentrale Gottesdienste gehören inzwischen zum Standard-Programm der drei Gemeinden.

2. Anlass der Fusion und Etappen im Prozess

Der Rückgang der Gemeindegliederzahlen und die damit notwendig gewordene Kürzung einer halben Pfarrstelle an der Johanneskirche durch den Pfarrplan, haben den Kirchengemeinderäten der Johannes- und der Paulusgemeinde den Anstoß gegeben, eine Fusion ernsthaft ins Auge zu fassen, um unter den drei verbleibenden Pfarrstellen an der Paulus- und Johanneskirche eine gleichmäßige Verteilung der Gemeindegliederzahlen und der Dienste zu ermöglichen. Beide Kirchengemeinderäte beschlossen im Herbst 2018, die benachbarte Paul-Gerhardt-Gemeinde als dritte Fusions-Partnerin einzuladen. Jetzt beizutreten, so die Argumentation, sei von Vorteil, da man für den gesamten Stuttgarter Westen ein gemeinsames Konzept entwickeln könne und für die bürgerliche Gemeinde im Westen in Zukunft eine kirchliche Ansprechpartnerin gegeben sei. Außerdem könne die Paul-Gerhardt-Gemeinde jetzt aktiv an der Neukonzeption mitarbeiten. Wäre sie erst in ein paar Jahren an der Fusion interessiert, müsste sie sich an die dann vorhandenen Strukturen eingliedern.

Ab Oktober 2017 fanden intensive Diskussionen in Kirchengemeinderäten und Gemeindeversammlungen statt. Vorbehalte und Erwartungen kamen zur Sprache („der Bezug zum eigenen Pfarrer, der eigenen Pfarrerin muss gewahrt bleiben“, „die Zugehörigkeit zur Kirche am Wohnort darf nicht verloren gehen“, „die Gemeindeglieder müssen auf diesem Weg mitgenommen werden“). Im Frühsommer 2018 haben sich Gemeinde übergreifende Arbeitsgruppen in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Seniorenarbeit und Diakonie, Kirchenmusik gebildet, um gemeinsame Ziele abzustecken.

Die Kirchengemeinderäte der drei Gemeinden erkannten in einer großen Kirchengemeinde im Stuttgarter Westen mehr Vorzüge als Nachteile. Sie stimmten jeweils mit großer Mehrheit im Dezember 2018 für die Fusion.

In der gemeinsamen Sitzung der Kirchengemeinderäte vom 9. Januar 2019 wurden die Anträge an den Oberkirchenrat zur Fusion unterzeichnet. Die Auflösung der drei Körperschaften des öffentlichen Rechts und die Bildung einer Körperschaft wird am 1.Advent 2019 vollzogen sein.

Die Kirchenwahlen am 01.12.2019 werden in der fusionierten Gemeinde durchgeführt.

3. Chancen einer Fusion

Die Herausforderungen an Kirchengemeinden, Pfarrerinnen, Pfarrer, Haupt- und Ehrenamtliche werden trotz weniger Gemeindegliedern nicht geringer. Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft verlangt ein breit gefächertes kirchliches Angebot, das zu den Menschen im Stuttgarter Westen passt: viele junge Menschen mit und ohne Kinder, alleine oder in Partnerschaft lebend, ältere Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen, Menschen, die auf traditionelle Angebote nicht ansprechen. In einer großen Gemeinde können Pfarrerinnen und Pfarrer neben der seelsorgerlichen Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte setzten und es braucht nicht mehr jede und jeder alle Bereiche der Gemeindearbeit abdecken. Gottesdienste für Familien und Familienfreizeiten, Meditations- und Glaubenskurse, die Geschäftsführung der Kirchengemeinde, das interreligiöse Gespräch und viele andere Aufgaben können unter den Pfarrerinnen und Pfarrern aufgeteilt werden. Zeit für Vertiefung und Neues wird frei. Dasselbe gilt für Sekretärinnen, Kirchenpflegen, Diakon*innen, Jugendreferent*innen. Ehrenamtliche werden sich selbstverständlicher am benachbarten Kirchturm engagieren, wenn ihr Interesse dort seinen Ort findet. Im Bereich Verwaltung entstehen Synergien.

Vertrauen zueinander und in Gottes Weisungen wird den Gemeinden auf ihrem Weg in die Zukunft gut tun. Darum steht über dem Jahr der Fusion das Motto:

Im Vertrauen zusammen gehen